Autor: admin

  • 31/07/26 Kochi

    Dieses Wochenende stand ein Ausflug nach Kochi an. Kochi ist eine circa 400km entfernte Hafenstadt am arabischen Meer. Die Flugtickets waren schon recht früh gebucht und der Plan war es am Freitag nach der Arbeit zum Flughafen zu fahren und Sonntagabend zurück in Bangalore zu sein.

    Mein Flug wurde zweimal vorverlegt, das letzte Mal am Freitagmorgen, sodass ich um kurz nach zwölf ziemlich ad hoc im Büro die Tastatur fallen lassen musste und ins Taxi stieg. Zum Glück hatte der Taxifahrer ausreichend Zeit rausgefahren, so dass ich auch noch Zeit für die Paramilitärs der Central Industrial Security Force hatte, die den Umstand bemängelten, dass mein Vorname mit Ö im Pass steht, mit OE im Visum und beim Boardingpass komplett weggelassen wurde. Aber auch das war dann von einem Herrn mit noch mehr Lametta auf den Schultern noch einmal durchgelassen worden. Kurzum: Ich habe meine Maschine noch rechtzeitig erreicht. Der Flug war dann auch nur ein recht kurzer, so war ich schon sehr früh in Kochi gelandet.

    Die Fahrt zum Hotel war über Uber gebucht und beinhaltete ein ganz schön langes Gegurke über diversen Brücken, um bis ins Fort Kochi zu gelangen. Mein Fahrer, der im Übrigen seinen Abschluss als „Fire & Safety Engineer“ macht, hatte aber eine bessere Idee. Er würde einfach ein bisschen abkürzen und eine Fähre nehmen. Die dadurch gesparte Zeit rechtfertige das Fährticket. Bei gleichbleibendem Preis versteht sich… Mir sollte es recht sein.

    Fischerboote

    Bei der Fähre war so der erste Moment, wo mein Sicherheitsgefühl deutlich überstrapaziert wurde. Es war die Fährverbindung von der Insel Vypin nach Fort Kochi. Die Fähre war von der Bauart ähnlich den Autofähren, die über den NOK fahren, nur stellenweise vielleicht nicht ganz so hübsch lackiert… Die Sortierung der Fahrzeuge war aber so: Es wurden die Auto einfach rauffahren gelassen und die Räume, die noch frei waren, konnten dann die Mofafahrer und Fußgänger auffüllen. So saß ich mit meiner Beifahrertür auf Tuchfühlung mit einem Lastwagen im Auto auf der Fähre… Dass diese Fähre während der Überfahrt aber auch noch in den Wellengang des offenen arabischen Meeres kam hatte ich nicht erwartet… Kurzum: Wir kamen nach kurzer Fahrt an und es ging nach dem Einchecken im Hotel ging es auf Erkundungstour.

    Das arabische Meer

    Die Landschaft rund um das Fort wurde im Jahr 1341 durch eine Flut geformt. Die Landschaft besteht bis heute aus dem Sand der Küste und den Sedimenten, die der Periyar-River aus den Westghats mit sich trägt.  Die ursprüngliche Flussmündung war Platz der antiken Handelsmetropole Muziris über die schwarzer Pfeffer, Edelsteine und Seide bis ins antike Rom gelangten. Eine Flut im Jahre 1341 brachte derart viele Sedimente den Periyar herunter, dass die Stadt zerstört und das Delta versiegelt wurde… Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch die parallel zur Küste liegenden Sandbänke und brach erst circa 40km weiter südlich ins arabische Meer durch: Dem Ort an dem das spätere Kochi gegründet wurde. Da die Ebene allerdings generell eher flach waren und der Tidenhub durch diesen neu entstandenen Durchbruch hindurch floss bildete sich im Hinterland ein Labyrinth aus Inseln und kleinen Wasserwegen. Im Hinterland wurde die Stadt Eurakalam gegründet während die Portugiesen im Jahre 1503 auf dem vorgelagerten Kochi ein Fort errichteten. Die damaligen indischen Herrscher erhofften sich dadurch einen Vorteil in ihrem Konflikt mit anderen Königreichen im Norden. 1663 kamen dann die Holländer, eroberten das portugisische Fort, brachen es teilweise ab und bauten es für ihre Bedürfnisse um. 1795 kamen dann als letzte europäische Macht die Briten., übernahmen das Fort, und brachen es 1806 weitestgehend ab um eine Wiedereroberung zu verhindern. So die sparsam zusammengefasste Geschichte des Fort Kochi.

    Ein Brahmanenspecht

    Den europäischen Hintergrund bemerkt man auch heute noch durch die engen Gassen, typischen Häuser und Kirchen. Die Promenade war gesäumt von kleinen Verkaufsbuden und das Meer war ganzschön aufgepeitscht. Zum Baden lud es trotz der Sandstände nicht wirklich ein, denn der viele Müll, der hier angespült wird, lag auf dem Strand oder trieb im Wasser. Einen sehr kräftigen Monsunschauer konnte ich noch in einem Hotel mit einem Getränk überbrücken, den zweiten bekam ich beim Schlendern durch die riesigen mit Farnen behangenen Bäume ab.

    Riesige Bäume mit Farnen überwuchert

    Also erstmal ins Hotel, Klamotten, soweit es ging zum Trocknen aufhängen und zum Essen noch einmal los. Auf dem Weg buchte ich spontan eine Tour in die Backwaters, da ich mich im Vorfeld nicht für einen der Anbieter entscheiden konnte.

    Hamburger Stimmung
    Die Chinesischen Fischernetze
    Eimer mit Feuerlöschsand neben dem Gasspeicher

    Am nächsten morgen ging es noch ein zweites mal an die Küste, die traditionellen Chinesischen Netze der Fischer hingen zum Trocknen, die Kräne des Containerhafens lagen im Nebel und das einsetzende Niedrigwasser trieb Inseln von Wasserhyazinthen aufs offene Meer. Nach einem kurzen Frühstück wartete ich am vereinbarten Treffpunkt auf den Fahrer, der mich zur Backwatertour bringen sollte. Dieser sucht aber noch zwei andere Teilnehmer, die noch am Frühstücks-Buffett saßen… Danach ging es los, ziemlich weit ins Hinterland der Stadt. Am Muvattuzupuzha-River lag eine Art Tourenanbieter. Eine einfache Hütte, traditionell mit Matten aus gewobenen Palmenblättern bedeckt und ein paar Bootsanlegestellen. Angekommen wurden wir auf ein relativ großes Boot gesetzt und unser Guide gab ab und zu mal sein Wissen preis, ansonsten ließen wir uns von zwei Flößern mit langen Bambusstöcken durch das Wirrwarr der Flussarme zu einem Dorf lenken. Laut Prospekt sollte ein Dorf besucht werden, dass nur über den Fluss erreicht werden könne… Über die Bushaltestelle am Dorfrand musste man nur großzügig genug hinwegsehen. Aber die Tour hat sehr viel Spaß gebracht. Brahmanen-Milane, diversen Reiher und Schmetterlinge begleiteten uns. Auch auf und neben dem Wasser blühten Wasserhyazinthen, indische Sonnenkannen mit ihren ausgefransten Blühten und Seerosen.

    Zerberusbaum – auch aufgrund seiner Giftigkeit Selbstmordbaum genannt
    Wasserhyazinthe
    Kleinscharben
    Seidenreiher
    „Ich bin ein Stock!“ – Purpurreiher

    Nachdem wir am Ausgangspunkt zurück gekommen waren ging es zum Traditionellen Essen vom Bananenblatt. Eine Portion des hiesigen Reis (deutlich runder und dicker als zB Basmati) geb es mit einem Dal, dazu diversen verschiedenen Pickles und eingelegten Dingen. Tatsächlich hat es sehr sehr gut geschmeckt!

    Das Bananenblatt war reich gefüllt

    In der zweiten Bootsrunde sollte es mit einem kleineren Boot durch schmalere Kanäle gehen. Soweit so gut, nur war das zweite Boot nicht überdacht. Und schon direkt beim Abfahren kam der Monsunregen, den man zuerst nur gehört hat, dann sah und dann prasselte er schon auf das Boot herunter. Es hat nicht lange gedauert und ich war wieder komplett durchweicht. Es ging auch schon bald wieder zurück in Richtung Hütte.

    Monsunregen in den Backwaters
    Flechtvorführung

    Dort gab es einen heißen Chai und eine Vorführung des Mattenflechtens und des Kokosfasernspinnens. Um kurz nach 16:00 wurden wir wieder in Richtung Hotel gebracht und ich schlüpfte wieder gegen trockene Kleidung. Mit dem noch jungen Abend entschloss ich mich noch einmal auf Erkundungstour in Kochi zu gehen. Einen zweiten Monsunschauer dachte ich perfekt mit einem Getränk in einem Restaurant mit Blick auf die Meerenge genießen zu können. Weil aber der jeweils erste Tag im Monat per Gesetzt ein sogenannter „Dry Day“ ist, der den Ausschank und Verkauf von Alkohol verbietet um zu verhindern, dass gleich am ersten Tag das frische Gehalt gegen Getränke eingetauscht wird…. Gab es für mich ein Lime Soda, auch gut!

    Stick no Bills
    Sittin‘ on a dock of the Bay

    Da ich nach dem Schauer deutlich weiter durch die Stadt gekommen war als gedacht erledigte ich den ersten Teil des Geocaching-Programms schon am Vorabend: Ein Besuch der hiesigen Synagoge von 1568. Leider war diese für die Zeit meines Besuches geschlossen, sodass ich Sie nur von außen besichtigen konnte (neben all den Instagram-Pärchen samt Fotografen). Abendessen gab es in einem nahegelegenen jüdischen Restaurant.

    Die WEihnachtsdeko hängt noch
    Man bemerkt die portugiesischen und niederländischen

    Am Sonntag morgen stand nach dem Frühstück der zweite Teil des Geocachingplans an. Dazu wollte ich zur Fährstation der „Kochi Water Metro“ spazieren, einem der modernsten Fährsystems der Welt. Dazu ging es bei leichter Bewölkung durch das eher muslimisch geprägtes Viertel Pullupalam. Hier wurde sogar frisches Rindfleisch verkauft. Ein sehr kurzer Regenschauer wirkte wie der erste Aufguss bei einer Sauna: Die Luft wurde sehr stickig und feucht. Nassgeregnet und verschwitzt erreichte ich das Fährterminal.

    Netzpflege an einem der vielen Kanäle
    Brahmanenmilan
    Brahmanenmilan
    Hafenkatze

    Die Fähren fahren einigermaßen pünktlich und voll elektrisch. Auf der Insel Willigdon ging es als einziger von der Fähre. Die Insel ist eigentlich eine reine Industriestätte, die auf einem Sonntag sehr verlassen wirkte. Breite Straßen, Lagerhallen, teilweiser Leerstand. Also wirklich wie im Hamburger Hafen. Der Geocache war an einer Seefahrer-Kirche gelegen. Es gab ein netten Schnack mit dem Pastor, der den Gottesdienst vorbereitete und mich vor möglichen Überflutungen am Nachmittag warnte. Auf dem Weg zurück zur Fähre kam ich bei der Cochin Port Firebrigade vorbei. Die Kameraden waren sehr aufgeschlossen und freuten sich ihr Equipment vorzustellen. Das war eine sehr nette Begegnung!

    Cochin Port Authority

    Eigentlich hatte ich vor mit der Fähre weiter in Richtung Eurakulam zu fahren… Leider hatte man mich aufs falsche Boot gesetzt und es ging erst einmal zurück nach Fort Kochi um dann mit der nächsten deutlich volleren Fähre nach Erakulam aufzubrechen.

    Dort angekommen war mein nächstes Ziel eigentlich nur noch ein Mangrovenwald der in der Innenstadt als Vogelschutzgebiet ausgewiesen war. Auf dem Weg musste ich einen Menschenmenge passieren: Es wurde Staatsexamen am Landesgericht gefeiert. Der Mangrovenwald war ein eher klein und nicht wirklich ergiebig.

    Juristen-Abschlussfete
    Mangroven
    Orchideen
    Ernakulam Bazaar

    Nach einer Tour durch einen Bazaar, der größtenteils schon geschlossen war ging es für mich zurück zum Flughafen, wieder mit der gleichen Diskussion ums Ö, aber einem stressfreien Rückflug.

  • 24/07/26 Coorg & Western Ghats

    Durch diverse Empfehlungen von Kollegen habe ich mich doch noch entschlossen nach Coorg zu fahren. Coorg bezeichnet ein Gebiet in den Western Ghats, einem Gebirgszug entlang der indischen Westküste. Ursprünglich hatten mich die 5 – 6h Fahrt dahin abgeschreckt.

    Also hatte ich einen Überlandfahrer für die Tour gebucht, der holte mich auch pünktlich in Bengalore ab und trotz Sprachbarriere ging es voran. Durch den dicken Feierabendverkehr ging es erst über die Schnellstraße Richtung Mysore, danach auf deutlich weniger gut ausgebauten Straßen in Richtung Marikeri. Nach ziemlich viel Gegurke durch die Nacht kamen wir in Coorg an: Die Straßen waren nun kurvenreicher und steiler. Als Unterkunft hatte ich mir eine kleine Hütte außerhalb der Stadt in einer Kaffeeplantage ausgesucht. Und das war es auch: Eine rudimentäre Hütte, die alles bot was man für den Schlaf braucht: Ein Paar Bretter als Bett, ein paar Bretter als Nasszelle, ein paar Bretter als Dach & Wand und eine Plane drüber, die alles trocken hält. Im nächtlichen Wald dröhnten die Zikaden, Frösche und Geckos um die Wette während ich drinnen noch ein paar Geckos aus den Gardinen und dem Bett schüttelte.

    Hütte von Innen

    Am nächsten Morgen war ich kurz vorm Sonnenaufgang wach. Es gab wirklich ein sehr kurzes Zeitfenster der Dämmerung (nicht mehr als 20min), aber dieses Zeitfenster war ausreichend für ein paar andere Zikaden zu zirpen und für den Malaienkauz zu rufen. Ich nutzte die Zeit um mich vom Bett-Brett in Richtung der Dusch-Bretter zu bewegen und den restlichen Sonnenaufgang draußen zu sein. Die Unterkunft bot auch zwei Glashäuser an in denen man hätte schlafen können. Da diese aber unbewohnt waren habe ich mich auf die Terrasse gesetzt.

    Sonnenaufgang in den Ghats
    Die Hütte von Außen
    Blick aus der Hütte

    Der Betreiber der Farm und Anlage kam und brachte mir einen Kaffee, der laut seiner Aussage von der eigenen Farm stammte. Und leider so pappensüß war, dass man ihn mit einem Holzstiel wahrscheinlich auch als Lolli hätte essen können. Aber die Kaffeepflanzen standen hier überall. Es gab dann Frühstück, eine sehr scharfe Nudelsuppe, Toast und eigene Papaya. Was ich nicht wusste: Hier gab es Blutegel. Einer war mir das Bein hochgekrochen und ich hatte es nicht bemerkt. Der Reiseführer rät dazu Egel mit etwas sehr Saurem, wie zum Beispiel Zitrone, starkem Alkohol oder Salz zu beträufeln, dann würden sie abfallen. Klingt also wie eine gute Gesellschaft zum Tequilla-Trinken. Da ich das aber wirklich nicht wollte wurde die Hose ab dem Zeitpunkt in den Socken getragen.

    Kaffeekirschen
    Assel
    Lärmfrosch
    versteckte Libelle

    Da wir alles recht früh wach waren war der erste Programmpunkt eine Kaffee- und Gewürzplantage mitsamt Führung. Es gab hier Robusta und Arrabica Pflanzen und auch eine eigene für Coorg gezüchtete Form. Grapefruit-, Avocado- („Butterfruit“), Mango-, Teak-, Cacao-, Jackfruit-, Limetten- und Zimtbäume wuchsen hier an verschiedenen Stellen. Die Kaffeepflanzen werden bewusst flach gehalten, damit sie besser zu ernten sind. Büsche von Kardamom- und Lorbeerpflanzen und Ranken von Pfeffer-Pflanzen.  Grüner, schwarzer und weißer Pfeffer sind übrigens ein und dieselbe Samenkapsel der Pflanze, die unterschiedlichen Reifeprozesse ergeben den Unterschied. Was es auf der Farm auch gab, ist die nachtaktive Zibetkatze, die nachts auf die Kaffeepflanzen klettert und ausgesuchte reife Kaffeekirschen isst. Am nächsten morgen machen sich die Arbeiter dann auf den Weg und sammeln das ein, was die Katzen zurücklassen, um den bekannten Kopi Luwak Kaffee herzustellen. In der Plantage werden auch zwei Arten von Honig hergestellt, einmal der Honig, der durch die Kaffeeblüte von Zuchtbienen hergestellt wird und dann ein Honig, der von stachellosen Wildbienen gewonnen wird. Die Tour durch die Plantage endete mit einer Probe des eigenen Kaffees: Mit diversen Gewürzen und gerösteter Wurzel der Wegwarte (Chicorée) und natürlich einer ordentlichen Portion Rohrohrzucker. Der nächste Programmpunkt der Plantagenführung war ein kleiner Halt in der Kaffeeröstanlage und eine Weinprobe. Denn alles, was hier geerntet wird, wird auch irgendwie zu einem Wein gekeltert. Die paar Sachen, die ich probiert hatte, waren ziemlich süße Fruchtweine, außer der „Bulls Eye Chilli“.

    Wildbienen wohnen darin
    Bienenstock zur Kaffeeblüte aufgestellt
    Weinprobe
    Sternfrucht-Baum
    Pfeffer
    Jackfruit
    Ein Blick in die Plantage
    Kardamomblüte mit den kleinen Kapseln
    Cacao
    Tiefe Bewölkung über den Reisfeldern
    Passionsfruchtblüten
    Schmetterling 2

    Im Anschluss wollte ich ins Stadtmuseum von Medikeri, denn mir hatte die Google-KI versprochen dort ein schönes Exponat vom Korundhaltigen Granit zu sehen. Auf Grund eines Missverständnisses hatte mich mein Fahrer aber zu einem anderen Museum gebracht, welches soweit wie ich es verstanden hatte das Geburtshaus eines herausragenden indischen Generals war. Die Ausstellung handelte auch hauptsächlich von irgendwelchem Militariagedöns und so. Das Stadtmuseum lag auf einer Anhöhe die vom Madikeri-Fort umgeben war. Das Museum selbst war in einer kleinen umgewidmenten Kirche untergebracht, hatte aber nur ein paar nicht näher erklärte Exponate unter anderem einen ausgestopften Leoparden. Auf dem Aussengelände gab es eine Sammlung von Hero- und Sati-Steinen. Die Herosteinen wurden zu Ehren besonderer Krieger hergestellt und die Sati-Steine zu Ehren an Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes einen rituellen Freitod wählten. Aber in einem hatte die KI mich irregeführt: Kein Korund! Während des Besuches wehte der erste Regen die Berge hoch und ich suchte ein Café in der Stadt auf.

    Ein Stiefel-Denkmal
    Sati-Steine
    Lifeplant
    Prinzessinnenblume

    Nachdem ich meine geplanten Programmpunkte erledigt hatte, ließ ich mich ein bisschen treiben. Der Park „Raja Seat“ bot eine großartige Aussicht über die Plantagen und Reisfelder. Eine weitere Empfehlung war noch eine Jeepsafari auf den Mandalpatti-Peak. Mein Fahrer hatte mich zum Ausgangspunkt gebracht und wusste nicht so recht was mich erwartete. Ich wurde dann mit einem Sikh-Pärchen aus Kalkutta zusammen auf einen alten Mahindra verladen der von einem eher mürrischen Fahrer über die Straße zum Berg gefahren wurde. Am Gipfelparkplatz angekommen waren es nur noch ein paar Meter über rotes Gestein zum Gipfel. Da der Gipfel aber komplett in den Wolken hing war die Aussicht auch eher mäßig. Als diese Wolken dann auch noch anfingen zu regnen wurde mir auch klar, weshalb die Gegend von Coorg auch als „Das Schottland Indiens“ bezeichnet wird, man hätte im Stehen ertrinken können! Komplett durchnässt ging es wieder zurück zu unserem Jeepfahrer. Auf der Rückfahrt durfte ich auf der Rückbank Platz nehmen. Und wir wurden durchgeschüttelt wie ein paar Würfel im Würfelbecher.

    Gut, dass die Sonnenbrille dabei war!
    Mahindras
    Blick vom Raja’s Seat in die Ghats

    Von da aus ging es nur noch in die Unterkunft, ein paar trockene Sachen anziehen und noch einmal kurz zum Abendessen.

    Am Sonntag hatte ich mit einem Trekking-Guide eine sehr frühe Tour ausgemacht. Wir trafen uns mit vier anderen Teilnehmern nur wenige Meter neben meiner Unterkunft und gingen auf den Kallu Betta wandern. Leider hatte sich das Wetter nicht wirklich verbessert und so stapften wir durch den Nebel – was das ganze aber irgendwie stimmungsvoller machte. Oben auf dem Bergkamm hatte ich dann noch einmal richtig Glück, denn eine Drosera peltata wuchs ziemlich direkt neben dem Weg. Es war insgesamt eher eine nebelige Angelegenheit. Aber auch ohne große Aussichten hat sich die Tour gelohnt. Auf dem Rückweg kamen wir auch an Elefantenspuren vorbei – kleine Schneisen im Wald mit abgeknickten Pflanzen und kreisrunden Fußstapfen.

    Nebel der Western Ghats
    Eine wilde Orchidee
    Eine Muskatnuss
    Wanderung ohne Fernsicht
    Impatiens acaulis
    Drosera peltata
    Drosera peltata
    Drosera peltata
    Yellow Orange Tip Weißling
    Die Ur-Melone
    Schmetterling

    Zweiter Ausflug mit dem gleichen Guide sollte einen Wasserfall zum Ziel haben. Die Wanderung war deutlich kürzer, führte entlang des Bewässerungssystems einer Kaffeeplantage zu einem netten Wasserfall.

    Echte Vanille
    Eine Raupe des Zimt-Bärenspinners
    Der Weg entlang der Bewässerungskanäle
    Eine Kitschaufnahme des Wasserfalls

    Danach galt es dann nur noch wieder zurück nach Bangalore zu kommen.

  • 17/07/26 Cauvery Forest WLS

    Das letzte Wochenende sollte es in den Süden gehen – genauer gesagt in den Cauvery North Wildlife Sanctuary. Laut alltrails.com sollte es hier ein paar Möglichkeiten geben auf kleinen Treks wandern zu gehen. Da es im ländlichen Raum mit Uber eher schwierig war und vor allem die Rückfahrt nicht buchbar zu sein schien habe ich mich für einen anderen Anbieter entschieden, der Auto samt Fahrer für einen längeren Zeitraum anbietet. Sehr feudal, aber der Kostenpunkt mit 70€ war dann ausschlaggebend für mich diesen Weg zu wählen. Der Fahrer kam pünktlich und sprach sogar Englisch. So ging es durch den dichten Freitag-Abend-Feierabendverkehr in Richtung Süden. Was ich gar nicht bedacht hatte: Wir waren schon aus dem Bundesstaat Karnataka, in welchem man Kannada spricht in den Bundesstaat Tamil Nadu gefahren, in dem man Tamil spricht. Aber zum Glück konnte der Fahrer auch diese Sprache. Von Hosur ging es nach Denaikottai. Da gab es einen ersten Versuch einen Geocache zu finden, der aber abgebrochen wurde, weil die Koordinaten nicht stimmten. Danach wurde es sehr sehr ländlich.

    Festgegurkt
    Ein festlich beleuchtetes Tomatenfeld

    Die Unterkunft, die ich für das Wochenende gebucht hatte, nannte sich „Jaivik Vigyan Kendra Organic Farm Retreat“ – also irgendwie ein Bauernhof mit Unterkunft. Sie lag ziemlich nah am Waldgebiet und schien auch als Ausgangspunkt sehr geeignet. Wir hatten uns bei der Navigation komplett auf Google Maps verlassen, was sich als Fehler herausstellte: Der Marker lag um knappe drei Kilometer daneben. Also ging es mit dem kleinen Sedan über Feldwege zum vermeintlichen Ziel… inklusive zweifachen Festfahrens. Zum Glück hatte ich die Nummer von der Unterkunft – so konnten sich Fahrer und Bauer abstimmen. Das musste dann auch mehrfach passieren: So hatte der Bauer jemanden mit Motorrad losgeschickt, um uns zu lokalisieren und irgendwann konnten wir per Hupe uns in Richtung Farm echoloten.

    Der Farmer leitet uns zum Wohnhaus

    Nachdem wir angekommen waren, wurden wir in das Wohngebäude gebracht: Ich durfte ins Rudolf-Steiner-Zimmer… Naja, die Unterkunft sollte ja „organic“ sein… Danach gab es ein einfaches Abendessen mit auf der Farm angebautem Reis, Auberginen und Bohnen.

    Das Zimmer
    Naja…
    Mein Mitbewohner für die Nacht. Manchmal laut, aber er fraß die Insekten

    In der Nacht wurde es dann so zwischen 4:00 und 5:00 einmal recht laut auf dem Hof, was in Indien jetzt eigentlich nicht wirklich was besonderes ist. So dachte ich einfach, dass die Bauern mit ihrer Arbeit beginnen… Aber vorm Frühstück erzählte er mir, dass ein Elefant auf durch den Elektrozaun auf die Farm eingebrochen sei und sich an den Mangos bedient hatte. Es gab dann einen kleinen Rundgang über die Farm. Eine recht große Mangoplantage mit Auberginen, Chilli, Reis, Tomaten, Linsen, Kurkuma und Hühnern. Da ich mir zum Frühstück Kaffee gewünscht hatte gab es auch nur den. Also eine Tasse Milchkaffee und zwei Kekse dazu.

    Kurkumapflanzen
    frischer Kurkuma
    Verbogener Elektrozaun und klare Spuren
    Mangoplantage am Morgen

    Danach ging es los – direkt in der Nähe zur Farm gab es noch ein großes Gewässer mit Lotuspflanzen. Ich weiß nicht, ob die hier kultiviert wurden oder wild wuchsen. Die Lotusblüte ist eine heilige Pflanze, die für Zeremonien gebraucht wird. Und da auch hier Rosen, Tagetes und Dahlien angebaut wurden könnte es auch sein, dass der Lotusteich dafür angelegt worden war. Hübsch war es allemal. Danach ging es zum Aiyuur Eco Tourism Centre: Einer Art Freilichtmuseum. Dort gab es aber außer ein paar Fotos nicht so wirklich viel. Auf dem Weg in den Wald gab es noch zwei Dosen für mich: Eine an einem Wasserloch, an dem man abends Elefanten beobachten können soll: Allerdings ist es nach Einbruch der Dunkelheit nur lokalen Bewohnern erlaubt die Straße zu passieren. Nachdem dort also die Gegend erkundet war sollte es zum Ausgangspunkt einer Wanderung gehen: Billigunda – eine Waldsiedlung direkt am Kaveri River gelegen – dem Grenzfluss zwischen Tamil Nadu und Karnataka. Auf dem Weg dahin konnte ich aber auch noch kurz anhalten um einen kleinen Pilgerweg auf einen Granitfelsen hochsteigen. Oben hatte ich mir dann noch den Snickers Riegel gegönnt, den ich mitgenommen hatte.  Laut alltrails hätte man am Flussufer komplett entlangwandern können, aber wegen der Elefanten wurde mir davon dringend abgeraten. Aber für Touristen gab es gegen ein vergleichsweise hohes Entgelt die Möglichkeit auf traditionellen Korbbooten über den Fluss gerudert zu werden. Ich hatte sonst nichts mehr vor und hatte erhofft vom Wasser aus ein bisschen mehr zu sehen… Zumindest ein Kingfisher (einem indischen Eisvogel, zu Deutsch Braunliest) konnte ich sehen. Als die Gondelei dann auch fertig war es schon Nachmittag und das Wetter schien auf Regen umzuschwenken… Also Rückfahrt.

    Agame
    Lotusblüte
    Lotusteich
    Vorsicht – Elefanten
    Termitenhügel
    Tawny Coster
    Wer findet die Halsbandsittiche?
    Elefantentränke ohne Elefanten
    Eine sehr hübsche Gneissbänderung
    Riesentausendfüßler – Stiefel zum Vergleich
    rosafarbene Cartharante
    Kingfisher/Braunliest
    Indischer Bootstransport

    An der Farm angekommen wurde mit dem Herbergsvater 19:00 als Zeit fürs Dinner ausgemacht. Den späten Nachmittag saß ich auf meinem Rudolf-Steiner-Balkon und hab mich von den Geckos anunken lassen. Merlin (eine Vogelstimmen-Erkennungsapp) hörte mehr als zwanzig verschiedene Vogelsorten – ein paar konnte ich auch beobachten: Die allgegenwärtigen Halsbandsittiche, Rotohrbülbüls, Hirtenmanias und den indischen Prachtnektarvogel, der durch die Blühhecke hopste und Nektar trank.

    Das Blaue ist der Nektarvogel

    Gegen Sieben, es war dämmrig, brach ich dann auf, traf nur einen der Bauern, die kein Englisch sprachen mit ernstem Gesicht und einer großen Maglite ging aber zum Diningroom und wunderte mich weshalb der noch abgeschlossen war. Niemand zu sehen. Nach einem kleinen Umhergang bin ich dann wieder auf mein Zimmer und dachte, dass einfach irgendwas „Lost in Translation“ gewesen wäre. Aber da kam auch schon der Anruf von meinem Fahrer, der vom Bauern übersetzt hatte: Ich möge ganz dringend mich nur im Haus aufhalten und nicht nach draußen gehen, weil ein Elefant in der Gegend gesichtet wurde. Zum Glück hatte ich mir noch ein Bier aus Bangalore mitgenommen, das war dann mein Abendessen nachdem ich den Tag über nur einen Snickers hatte. Aber das mit den Elefanten ist ein ernsthaftes Problem: Es ist die Saison in der junge Elefantenbullen von der Herde verstoßen werden und sie auf der Suche nach neuen Herden herumstreifen und dabei auf Menschen stoßen. Tagsüber verstecken sie sich in den Wäldern (sofern es Elefanten können) aber nachts ziehen sie umher. Wie ernst die Inder das nehmen, konnte ich nur am verhalten meiner Gastgeber erahnen. Die Familie, die in einer Art Bauwagen wohnte, ist zur Sicherheit in eins der anderen Zimmer gezogen, die Bauern haben sich auf die Dachterrasse im obersten Geschoss verschanzt und mit ihren Maglites Ausschau gehalten. Ich saß mit meinem Bier auf dem Balkon und konnte die Abwehrmethoden der anderen Farmen beobachten: Feuerwerk, laute indische Schlagermusik oder wie meine Gastfamilie: Jemand der Harmonika übt.  Ich bin dann irgendwann hungrig ins Bett gegangen. Um Mitternacht wurde es dann plötzlich sehr laut und auf der Dachterrasse fingen die Bauern an laut zu schreien. Da hatte es der Elefant wirklich noch einmal versucht auf gleichem Wege auf die Farm zu kommen. Gesehen habe ich ihn nicht, aber durchaus gehört. Aber er hat sich dann wohl getrollt und kam nicht wieder aufs Gelände.

    Suchscheinwerfer

    Am nächsten morgen gab es dann ein Frühstück von einem sehr unausgeschlafenem, aber freundlichen Bauern, bevor wir die Rückreise nach Bangalore antraten, um den Sonntag-Abend-Verkehr zu umgehen. Ich nutzte den späten Nachmittag noch für einen langen Spaziergang im sehr gut gefülltem Cubbon-Park.

    Nichts darf man…
    Ein Hirtenmania
    Fast nix los
    Red Powder Puff
  • 11/07/26 Savandurga

    Am Freitagabend ging es zusammen mit zwei deutschen Kollegen aus Bengalore heraus in Richtung Savandurga. Westlich von Bengalore. Hier liegen relativ große Granitmonolithen frei in der Landschaft. Der Savandurga ist sogar der größte Monolith in ganz Asien. Und diesen galt es zu besteigen!

    Aber erstmal mussten wir mit einem Fahrer zum Resort, welches in der Nähe gelegen war. Durch den berüchtigten Bangalore Traffic kamen wir nach einer doch recht interessanten Fahrt erst um 21:00 an. Das Resort bestand aus einem Hauptgebäude mit Restaurant und kleinen einzelnstehenden Bungalows. Während wir auf unser Essen für den Abend warteten, haben sich im Palmenhain neben der Dachterrasse die Brahmanenkäuzchen angepöbelt. Da das Besteigen des Felsen im Voraus online reserviert werden musste, die Website aber bei keinem von uns funktioniert hatte entschlossen wir uns auch pünktlich um 6:30 am Startpunkt zu sein. Der Gastgeber versprach mitzukommen, weil er die Genehmigung hatte uns zu führen. Also schnell ins Bett und das meiste an Schlaf aus der Nacht holen was ging. Die Geräusche waren gänzlich anders als in der Stadt: Hier haben die Grillen und Zikaden für den Schalldruck gesorgt und weniger die Hupen des Verkehrs.

    Ausblick über das Resort
    Das Zimmer

    Am nächsten Morgen waren dann auch alle recht pünktlich am Start, abgesehen vom Fahrer, den wir gesucht haben, bis er auf der Rückbank des Autos gefunden wurde. Nach einer kurzen Fahrt standen wir am Tempel und am Ausgangspunkt der Wanderung. Der Berggipfel war noch in die niedrige Bewölkung gehüllt, aber leider war am Kassenhäuschen niemand zu sehen. Auf Nachfragen konnte uns unser Führer leider nur berichten, dass das Wandergebiet wegen Sichtungen von Geparden bis auf weiteres geschlossen sei. Und um das Tor gab es auch kein Drum Herumkommen. Der Herbergsvater bot uns an den „Hausberg“ direkt am Hotel zu besteigen und dann zum Frühstück wieder am Hotel zu sein. Also wieder den Fahrer geweckt und zurück zum Resort. Dort ging es dann über den nackten Granit auf die Anhöhe und wir konnten die Aussicht auf den Savandurga genießen.

    Der Savandurga im Nebel
    Blick auf den Savandurga
    Noch mehr Blick auf den Berg

    Auf dem Weg wieder zurück hatte ich das große Glück ein paar Pflanzen zu finden auf die ich tatsächlich schon eine ganze Weile gehofft hatte, aber die Hoffnung eigentlich auch schon wieder an den Nagel gehangen hatte: Drosera burmannii. Diese sehr kleinen Vertreter des Sonnentaus wachsen hier während der Monsunzeit auf den nährstoffarmen Flächen der Granitfelsen. Sie sind nicht größer als eine Fünf-Cent-Münze aber leuchtend rot. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet diese Pflanzen zu finden, denn hier in der Nähe ist es ungewöhnlich trocken und heiß. Aber scheinbar haben die Berge westlich der Stadt ausreichend Regen abbekommen.

    Die kleinen Rosetten erwachen aus ihrem Hibernakel
    Drosera burmannii
    Ich beim Fotografieren

    Nach dem Frühstück ging es dann nur noch zurück in die Stadt – durch den gleichen Verkehr, durch den wir auch schon rausgefahren waren. Zum Abendessen ging es in eine weitere Rooftop-Brewery… Leider war die Aussicht deutlich besser als das Bier…

  • 28/06/26 Davaraja Market & Mysore Palast

    Am Sonntag wurde morgens aus dem Hotel ausgecheckt und es ging auf den Devaraja Market – deutlich entspannter als der KR Market in Bangalore. Hier konnte man ohne Probleme durch die Markthalle und die Stände auf dem Außengelände schlendern und die Händler waren auch alle für ein Gespräch bereit. Es gab hier viele Händler, die sich auf „religiöse Gebrauchswaren“ spezialisiert haben. So gab es das bunte Rangoli-Pulver in unterschiedlichen Farben, Zuckerkristalle als Opfergaben, Betelnüsse, Räucherstäbchen und vieles andere. Früchte und Gemüse gab es natürlich genauso wie die Blütengirlanden. Es gab sogar einen kleinen Stand mit Gewürzen. Ein paar Dinge habe ich auch gekauft – und die Händler waren alle sehr gerne bereit für einen Smalltalk und ein Foto. Der Teil für Fisch- und Fleischwaren lag in einer separaten Halle.

    Früchte
    Blüten
    Buntes Rangolipulver
    Gewürze
    Rangoli-Pulver und anderes

    Nach einem kleinen Frühstück ging es zum Palast. Der Palast ist Sitz der Wodeyar-Dynastie und wurde nach einem Brand im 19ten Jahrhundert komplett neu nach einem Entwurf des Briten Henry Irwin wieder aufgebaut. Hier schoben sich auch die Menschenmassen durch; ist er doch nach dem Taj Mahal der am zweitmeisten besuchte Ort in Indien. Ein persönlicher Führer nahm sich die Zeit um mir diversen Details im Schnelldurchlauf zu erklären, wie die Königsfamilie bis heute im Palast wohnt, welche Stile wo verbaut wurden und wo die vielen prunkvollen Einrichtungsgegenstände herkamen. Dann erklärte er welch immenser Aufwand das Dasara-Fest mit sich bringt: Eine Elefantenprozession durch die gesamte Stadt. Ich habe nur beim Vorbeitreiben mit der Menge Fotos machen können:

    Alte Requisiten der Prozession unter einem Feuerbaum
    Der Palast in der Außenansicht
    Eine dezente Tür aus massivem Silber
    Ein Teil der Audienzhalle
    Hier finden -als Teil der Prozessionszeremonie- Ringkämpfe statt
    Burmesische Teakholzschnitzereien
    Die Wände des Hochzeitssaals waren mit Bildern des Dasarafestes versehen
    Der Hochzeitssaal – die Besucher sitzen auf dem Boden während das heiratende Paar sieben mal um ein Feuer geht
    Die Ansicht vom Elefantentor

    Danach hieß es für mich nur noch einen Bus zurück nach Bangalore zu erreichen um am Sonntagabend wieder im Appartement zu sein.

  • 27/06/26 Mysore, Chamundi Hills & Kaveri

    Am Freitagabend ging es los – ich hatte mir ein Überlandtaxi gebucht um mich von Bangalore in das circa 130km entfernte Mysore zu bringen. Es war Aschura und die Moscheen waren mit Fähnchen geschmückt. Es ging dann relativ entspannt durch Palmenplantagen und Felder. Vorbei an den ersten Ghats (freistehende durch Vulkanismus und spätere Erosion sehr alte Hügel) und kleinen Herden (oder Schwärmen) von Pfauen ging es in die deutlich kleinere Millionenstadt.  Kurz vorher wurde die dreispurige Autobahn auf eine Spur heruntergeengt. Und irgendwie kann ich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nur so beschreiben: Nicht eine Spur von Aggressivität aber ungefähr eine Lautstärke eines Heavy-Metal-Konzerts. Es gab noch einen kleinen Schlenker durch die Stadt, vorbei an mit rosa Leuchteherzchen geschmückte Kutschen, dem beleuchteten Palast und einem Rummel. Aber ich bin danach nur ins Hotel und eine Kleinigkeit essen gewesen.

    Lord Basavanna Statue

    Denn am nächsten Morgen ging es für mich sehr früh an die „1000 Steps Footpath“ einer Pilgerroute auf die Chamundi Hills. Die Geräusche waren da schon deutlich anders: Vielstimmiges Vogelzwitschern und fernes Pfauengeschrei, kaum Gehupe. Die unregelmäßigen Stufen zwangen zu konzentriertem Gehen, obwohl sie durch das viele Rangoli-Pulver rotgefärbt waren. Auf dem Weg nach oben mussten angeblich 1002 dieser Stufen begangen werden – an der 394ten lag ein Geocache. Es ging vorbei an einer großen Nandi-Statue. Nandi ist in der hinduistischen Mythologie ein Stier und das heilige Reittier des Gottes Shiva.

    Der Ausgangspunkt des Pilgerwegs

     

    Die Stufen 573 – 612

     

    Die Nandi-Statue

     

    Ein Kreidemandala

    Ein paar der restlichen Stufen weiter oben kam man dann tatsächlich in niedrige Bewölkung. Bevor der Chamundi Tempel geöffnet war, hatten sich schon recht lange Schlangen gebildet und es drohte auch hier recht rummelig zu werden => Schnell weiter!

    Der Tempel noch im Nebel

     

    Der Tempelturm

     

    Ich umrundete den Chamundi-Hill auf einer Ringstraße, auf der nahezu kein Verkehr lag. Und auch kaum Besucher unterwegs waren. So konnte ich versuchen die hier reichhaltige Vogel- und Pflanzenwelt zu fotografieren, mit mäßigem Erfolg:

    Einer der extrem quirligen Gangesbrillenvögel
    Ein Schwarzmilan
    Ein Blauer Tiger – die Flügel sind tatsächlich sehr schön blau
    Ein Heckenkuckuck
    Die invasive Afrikanische Riesenschnecke
    Red spined Millipede
    Mimosen
    Mimosenblüte
    Eine indische Riesenholzkarpfenbiene auf einer Passionsfruchtblüte
    Ein Gelbschnabel-Drosselhäherling

     

    Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel ging es für mich weiter zu den Brindavan-Gardens, eine in den 1930ern hinter einer Staumauer errichteten Gartenanlage. Der Garten mit all den Wasserspielen war schon sehr nett – aber noch interessanter fand ich die Backwaters des aufgestauten Kaveri-Rivers. Dann ging es noch zu einem Geocache eines Buchholzer Geocachers der hier vor einem Jahr war. Im Anschluss wollte ich den Venugopala Swamy Tempel besichtigen – einen Tempel, der vom Dammbau betroffen war und Stein für Stein wieder am Rande des Sees aufgebaut wurde. Wie ein guter Tourist habe ich mir brav alles Schilder durchgelesen und auch die drei Regeln beachtet: Keine Haustiere mitbringen (Kater ist ja auch zu Hause), keinen Alkohol trinken (war ohnehin zu warm) und sich ruhig verhalten (ich bin norddeutsch) – Auf dem Weg zum Tempel wurde ich allerdings von einem Mann mit Megaphon und langem Zeigestab aus der Menge der anderen Besucher herausgepickt. Zum Glück konnte mir dann einer der anderen Besucher auf Englisch erklären, dass auch die Platten auf dem Weg zum Tempel heiliger Bereich seien und ich meine Schuhe doch ausziehen möge. Nun gut – nachdem die Wanderstiefel in den Shoerack gestellt waren, sockte ich den Weg noch einmal zurück und ließ mich durch den weißen Tempel schieben.

    Diese lokale Spezialität habe ich mal ausgelassen
    Der Eingangsbereich des Tempels
    Eine indische Imkerei
    Ein indischen Rotkehlchen
    Zwei Schwarzkopfibisse
    Ein juveniler Brahminenweih
    Wer findet die Agame?
    Ein Pärchen Grüner Bienenfresser

    Die Wasserspiele vor der Staumauer
    Ein Stufengarten
    Ein Hirtenmaina

    Danach ging es zurück nach Mysore in die lokale Craftbierbrauerei um den Tag ausklingen zu lassen.

    ein sehr kleines Tasting
  • 20/06/26 KR Market & Bugle Rock Park

     

     

    Am ersten Samstag in Indien wollte ich den Blumen-Markt der Stadt besuchen – so sollte man besonders morgens sehr schöne Bilder machen können. Also hatte ich mir um kurz nach fünf ein Uber bestellt, dass mich in die grobe Richtung brachte. Und während der Fahrt dahin stockte der Verkehr schon kräftig, das war aber nichts im Vergleich zu dem was sich direkt vor und auf dem Markt abspielte. Ich hab mal das Gewusel und die einhergehende Geräuschkulisse aufgenommen:

    Irgendwelche Kräuter wurden direkt vom Bordstein verkauft, viele verschiedene Blüten konnte man Säckeweise kaufen oder schon zu Girlanden gebunden. Diese Blütengirlanden werden dann als Opfergabe an Schreinen oder Tempeln verwendet, man schmückt damit Autos oder sie sind bei Hochzeitsritualen ein zentraler Bestandteil. Teilweise überdeckte der süßliche Jasmin-Geruch die Abgase des Verkehrs. Aber das Gedränge war mir dann irgendwann doch zu viel: In dem Geschiebe zwischen den Ständen hatte jemand sein Mofa quer gestellt und es ging einfach weder vor oder zurück. Das hatte eine ältere Frau aber nicht davon abgehalten mir von hinten unterm Arm in die Seite zu kneifen.

    Kräuterhändler

     

    Gebundene Girlanden

    Aus dem Trubel des KR-Markts endlich herausgekommen ging es zu Fuß ein bisschen durch die noch vergleichsweise ruhigen Straßen. Eher zufällig kam ich auf einen anderen Markt auf dem hauptsächlichen Gemüse direkt von der Straße verkauft wurde. Hier wurde es einmal sehr laut als ein LKW beim Zurücksetzen mit dem Hinterrad einen Haufen Kohl zermatscht hatte.

    Der Gemüsemarkt

    Danach ging es weiter vorbei an einem Tempel an dem mit Musik über Lautsprechern und bunt leuchtenden Figuren gefeiert wurde. In einem anderen Viertel standen recht viele verschiedene Statuen von Dr. Bhimrao Ramji Ambedkar – einem Kämpfer für die Gleichberechtigung von niederen Kasten, wenn ich es richtig verstanden habe.

    Bunter Lichtschmuck

     

    Dr. Bhimrao Ramji Ambedkar

    Leider muss ich feststellen, dass die Kommunikation mit den Mitmenschen ein bisschen durch die Sprachbarriere und auch den Lärm erschwert wird.

    Am Sonntag hatte ich mir den „Bugle Rock Park“ ausgesucht – einem vergleichsweisen recht kleinen Park, den ich aber auch schon recht schick fand. Vor allem weil die alten Bäume komplett voll mit Flughunden hingen, die tagsüber allerdings nicht schliefen sondern sich frische Luft zufächelten. Der Bugle Rock war ein Felsklotz mitten im Park aus peninsularem Gneissgestein.

    Ein einzelner Flughund
  • 14/06/26 – Ankunft und erster Tag

     

     

    Gelandet ist die Lufthansamaschine pünktlich um kurz nach 0:00. Schon während des Fluges wurden Fragebögen des indischen Gesundheitsministeriums verteilt, die etwaige Kontakte in die derzeit von Ebola betroffenen Gebiete aufnahmen und die Kontaktnummern. – dann ging es zur „Migration & Visa Control“ – Schlange stehen, Fingerabdrücke abgeben und Reisepass stempeln lassen. Koffer einsammeln, 50€ in bar eintauschen lassen und dann den Fahrer suchen. Das klappte wirklich recht problemlos, sodass wir schon um 1:30 zum Auto gingen. Klassiker: Erstmal bei einem Rechtslenker auf der falschen Seite einsteigen. 🙂

    Schon die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war ein kleines Abenteuer für sich: Ein ewig hupendes Gewusel aus Motorrädern, Tuk-tuks, Mofas, Bussen, PKW und LKWs… Manche so beleuchtet wie ein amerikanischer Weihnachtsbaum, andere dezent komplett ohne Licht. Und wenn mein Fahrer auf der Autobahn hupend auf der rechten Seite ein anderes Auto aus dem Weg komplimentiert, dann war zwischen den Autos immer noch Platz für eine überholende Mofa.

     

    Das komische Gefühl des Ungewohnten, welchen einen beschleicht, wenn man in ein Land mit Linksverkehr reist, fiel und fällt hier kaum ins Gewicht.

    Auch, dass ich mit dem Fahrer ein paar Verständigungsprobleme hatte, wunderte mich ein wenig. Eigentlich sollte Englisch doch weit verbreitet sein. Wir fuhren erst einmal ins Büro, wo ich den Schlüssel zum Apartment abholen sollte. Der Nachtwächter hatte davon leider auch nichts gehört und auch hier war die Verständigung nur so semi. Aber irgendwann ein paar Telefonate später hatte ich auch den und glücklicher Weise ein Paket mit Flaschenwasser. Das gröbste fertig gemacht und um 03:00 ins Bett geschlüpft. Um 4:00 noch einmal vom Asienkoel geweckt worden – einer asiatischen Kuckucks-Art.

    (Das am Ende ist der Asienkoel)

    Irgendwann so ab 8:00 war ich dann wach. Habe unter der Dusche festgestellt, dass Warmwasser nur optional ist, hab mich mit dem Flaschenwasser und der Zahnbürste arrangiert und war bereit für den Tag. Erst die Wohnung erkundet, den Koffer entleert und weil manche grundlegenden Dinge wie Toilettenpapier und Handtuch fehlten sollte es in die „Church Street“ – einer Einkaufsstraße in der direkten Nähe gehen. Beim Frühstück mit einem Kaffee ergab ein Blick auf die Karte: Sowas wie Supermärkte gab es eigentlich nur einen.

    Den hatte ich dann auch angesteuert und festgestellt, dass es nur ein bisschen größerer Kiosk ist. Toilettenpapier und Pulverkaffee habe ich bekommen, aber Antimück oder ein Handtuch waren dort nicht zu kaufen.

    Eine Kollegin, die im letzten Jahr hier war hatte mir schon diversen Lieferapps empfohlen, wie Swaggy oder Zepto. Das Problem nur: Für den letzten Schritt der Registrierung war eine indische Telefonnummer von Nöten. Eine andere sehr wichtige App ist Uber, denn die Stadt ist nicht gerade für ihre Fußgängerfreundlichkeit bekannt. Mit Uber bin ich nachmittags in den Lalbagh-Park gefahren, einem der botanischen Gärten Bengalurus. Der Park war wirklich nett, ein angebundener Pflanzenmarkt verkaufte Blumen und Saatgut, es gab Leberwurstbäume, Brotfruchtbäume und die allgegenwärtigen Mangos und Tamarinden. Eins meiner Ziele war die offenliegende Granitstruktur, der Gneiss der indischen Halbinsel (aus Gründen 😉 ) – beim umherstreifen durch den Park fand ich noch einen „Honigbienenbaum“ an dessen Ästen die Waben der Honigbienen offen herumhingen. Während die Honigbienen in unseren Breiten Baumhöhlen oder eben in Beuten wohnen um im Winter durch die Körperwärme des Volkes zu überleben brauchen die Bienen das hier nicht: Einfach an die Äste hängen reicht scheinbar.

     

    Der Lalbagh-Park
    Ein Streifenhörnchen kurz vorm Motz-Anfall
    Knol-Khol
    Die Bienenwaben am Baum
    Rosenmarkt
    Ein Leberwurstbaum voll mit Leberwürsten

    Da Gewitterwolken im Anzug waren bin ich dann mit einem Uber wieder zurück ins Apartment gefahren und hab noch ein bisschen auf dem Balkon gesessen und hab dem Regen zugeschaut.

  • 16/02/26 Die Reisevorbereitungen

    So, leider ist das hier mit dem WiFi in meinem Appartement ein bisschen schwierig, weshalb ich erst jetzt dazu komme ein paar Zeilen zu tippen.

    Für diese Reise gab es ein paar andere Sachen vorzubereiten als beim Dänemarkurlaub oder ähnlichen Unterfangen:

    1. Impfungen und Reiseapotheke

    Insgesamt wurden mir vier Impfungen nahegelegt, die ich auch allesamt genommen habe. Drei Impfungen gegen Tollwut (die sich auch durchaus mit einer Immunreaktion bemerkbar gemacht hatten), zweimal gegen die Japanische Enzephalitis (einer durch Stechmücken übertragenen Hirnhautentzündung), eine Schluckimpfung gegen Typhus (eine Durchfallerkrankung) und eine Spritze gegen Hepatitis A (Eine Viruserkrankung der Leber). Der Kostenpunkt liegt bei so ungefähr 650€, wenn man die Medikamente selbst in der Apotheke kauft.

    Die Impfung gegen das Dengue-Fieber wird seltsamerweise nur für Menschen empfohlen, die schon vorher einmal am Dengue-Fieber erkrankt waren.

    Es war trotz der fast fünf Monate Vorlaufzeit gar nicht so einfach die Termine für die Impfungen beim Hausarzt so unterzubekommen, es hat aber Letzen Endes funktioniert.

    Des Weiteren wurde die Reiseapotheke ganz schön aufgestockt: Tabletten für die Malaria-Prophylaxe für Reisen in Bereiche außerhalb der Stadt, ein starkes Medikament gegen Durchfall und eine vorbereitende Hefe-Kur für den Magen-Darm-Trakt (ob die sinnvoll ist kann ich nicht sagen, laut Inhaltsstoffen sind die doch recht teuren Päckchen einfach nur mit Trockenhefe und Zucker gefüllt.) Und zu guter letzt ein paar Nahrungsergänzungsmittel mit Elektrolyten – für den Fall der Fälle. Hier lagen die Kosten bei so ungefähr 250€.

    1. eSim-Karte

    Um hier in Indien gleich Internet-Empfang zu haben hatte ich mir im Vorfeld eine eSim-Karte vom Anbieter Saily heruntergeladen. Das Angebot für 20GB für 30€ ist jetzt nicht gerade günstig, aber für einen reibungslosen Start war es eine gute Investition: So konnte ich meinen Fahrer, der mich am Flughafen einsammeln sollte, gleich kontaktieren.

    1. Visum & Reisepass

    Da mein Reisepass leider abgelaufen war musste ich einen neuen beantragen. Ich hatte dummerweise gedacht, dass ich ein biometrisches Passbild mit aufs Amt bringen müsse, weshalb ich durch halb Hamburg gegurkt bin, um einen Fotografen zu finden, der die Berechtigung hatte amtliche Lichtbilder zu machen. (Es gab nur das 27€-Paket mit noch drei zusätzlichen S/W-Portrait-Fotos, die der Fotograf mit „Naja, das sind Charakter-Bilder“ kommentiert hatte – Blödmann, ich bin auch nicht freiwillig um 4:00 aufgestanden und hätte gern ausgeschlafen ausgesehen! 😛 ) Nachdem der Pass dann angekommen war, konnte das Visum beantragt werden. Hier hat sich das Visa-Büro meiner Firma drum gekümmert. Eine Woche nach dem Antrag war das Visum per E-Mail da.

     

     

    Ansonsten gab es nur noch kleinere organisatorische Dinge zu planen: Wer macht die Schwarmkontrolle bei meinen Bienen? Jan&Marlis haben sich bereit erklärt dafür aus Flensburg anzureisen und das zu übernehmen. Eine Umkehrosmoseanlage wurde gekauft, damit Katharina meine Fleischfresser gießen kann ohne Kubikmeterweise destilliertes Wasser vom Baumarkt zu holen.  Vielen lieben Dank dafür! 🙂

  • 02/06/2026 – Blogeinrichtung

    Hallo!

    Hier entsteht ein kleiner Blog.

    Hauptsächlich soll er ein bisschen die Eindrücke meiner Dienstreise nach Indien zusammenfassen. Ich spiele noch ein bisschen herum.