Das letzte Wochenende sollte es in den Süden gehen – genauer gesagt in den Cauvery North Wildlife Sanctuary. Laut alltrails.com sollte es hier ein paar Möglichkeiten geben auf kleinen Treks wandern zu gehen. Da es im ländlichen Raum mit Uber eher schwierig war und vor allem die Rückfahrt nicht buchbar zu sein schien habe ich mich für einen anderen Anbieter entschieden, der Auto samt Fahrer für einen längeren Zeitraum anbietet. Sehr feudal, aber der Kostenpunkt mit 70€ war dann ausschlaggebend für mich diesen Weg zu wählen. Der Fahrer kam pünktlich und sprach sogar Englisch. So ging es durch den dichten Freitag-Abend-Feierabendverkehr in Richtung Süden. Was ich gar nicht bedacht hatte: Wir waren schon aus dem Bundesstaat Karnataka, in welchem man Kannada spricht in den Bundesstaat Tamil Nadu gefahren, in dem man Tamil spricht. Aber zum Glück konnte der Fahrer auch diese Sprache. Von Hosur ging es nach Denaikottai. Da gab es einen ersten Versuch einen Geocache zu finden, der aber abgebrochen wurde, weil die Koordinaten nicht stimmten. Danach wurde es sehr sehr ländlich.


Die Unterkunft, die ich für das Wochenende gebucht hatte, nannte sich „Jaivik Vigyan Kendra Organic Farm Retreat“ – also irgendwie ein Bauernhof mit Unterkunft. Sie lag ziemlich nah am Waldgebiet und schien auch als Ausgangspunkt sehr geeignet. Wir hatten uns bei der Navigation komplett auf Google Maps verlassen, was sich als Fehler herausstellte: Der Marker lag um knappe drei Kilometer daneben. Also ging es mit dem kleinen Sedan über Feldwege zum vermeintlichen Ziel… inklusive zweifachen Festfahrens. Zum Glück hatte ich die Nummer von der Unterkunft – so konnten sich Fahrer und Bauer abstimmen. Das musste dann auch mehrfach passieren: So hatte der Bauer jemanden mit Motorrad losgeschickt, um uns zu lokalisieren und irgendwann konnten wir per Hupe uns in Richtung Farm echoloten.

Nachdem wir angekommen waren, wurden wir in das Wohngebäude gebracht: Ich durfte ins Rudolf-Steiner-Zimmer… Naja, die Unterkunft sollte ja „organic“ sein… Danach gab es ein einfaches Abendessen mit auf der Farm angebautem Reis, Auberginen und Bohnen.



In der Nacht wurde es dann so zwischen 4:00 und 5:00 einmal recht laut auf dem Hof, was in Indien jetzt eigentlich nicht wirklich was besonderes ist. So dachte ich einfach, dass die Bauern mit ihrer Arbeit beginnen… Aber vorm Frühstück erzählte er mir, dass ein Elefant auf durch den Elektrozaun auf die Farm eingebrochen sei und sich an den Mangos bedient hatte. Es gab dann einen kleinen Rundgang über die Farm. Eine recht große Mangoplantage mit Auberginen, Chilli, Reis, Tomaten, Linsen, Kurkuma und Hühnern. Da ich mir zum Frühstück Kaffee gewünscht hatte gab es auch nur den. Also eine Tasse Milchkaffee und zwei Kekse dazu.




Danach ging es los – direkt in der Nähe zur Farm gab es noch ein großes Gewässer mit Lotuspflanzen. Ich weiß nicht, ob die hier kultiviert wurden oder wild wuchsen. Die Lotusblüte ist eine heilige Pflanze, die für Zeremonien gebraucht wird. Und da auch hier Rosen, Tagetes und Dahlien angebaut wurden könnte es auch sein, dass der Lotusteich dafür angelegt worden war. Hübsch war es allemal. Danach ging es zum Aiyuur Eco Tourism Centre: Einer Art Freilichtmuseum. Dort gab es aber außer ein paar Fotos nicht so wirklich viel. Auf dem Weg in den Wald gab es noch zwei Dosen für mich: Eine an einem Wasserloch, an dem man abends Elefanten beobachten können soll: Allerdings ist es nach Einbruch der Dunkelheit nur lokalen Bewohnern erlaubt die Straße zu passieren. Nachdem dort also die Gegend erkundet war sollte es zum Ausgangspunkt einer Wanderung gehen: Billigunda – eine Waldsiedlung direkt am Kaveri River gelegen – dem Grenzfluss zwischen Tamil Nadu und Karnataka. Auf dem Weg dahin konnte ich aber auch noch kurz anhalten um einen kleinen Pilgerweg auf einen Granitfelsen hochsteigen. Oben hatte ich mir dann noch den Snickers Riegel gegönnt, den ich mitgenommen hatte. Laut alltrails hätte man am Flussufer komplett entlangwandern können, aber wegen der Elefanten wurde mir davon dringend abgeraten. Aber für Touristen gab es gegen ein vergleichsweise hohes Entgelt die Möglichkeit auf traditionellen Korbbooten über den Fluss gerudert zu werden. Ich hatte sonst nichts mehr vor und hatte erhofft vom Wasser aus ein bisschen mehr zu sehen… Zumindest ein Kingfisher (einem indischen Eisvogel, zu Deutsch Braunliest) konnte ich sehen. Als die Gondelei dann auch fertig war es schon Nachmittag und das Wetter schien auf Regen umzuschwenken… Also Rückfahrt.













An der Farm angekommen wurde mit dem Herbergsvater 19:00 als Zeit fürs Dinner ausgemacht. Den späten Nachmittag saß ich auf meinem Rudolf-Steiner-Balkon und hab mich von den Geckos anunken lassen. Merlin (eine Vogelstimmen-Erkennungsapp) hörte mehr als zwanzig verschiedene Vogelsorten – ein paar konnte ich auch beobachten: Die allgegenwärtigen Halsbandsittiche, Rotohrbülbüls, Hirtenmanias und den indischen Prachtnektarvogel, der durch die Blühhecke hopste und Nektar trank.

Gegen Sieben, es war dämmrig, brach ich dann auf, traf nur einen der Bauern, die kein Englisch sprachen mit ernstem Gesicht und einer großen Maglite ging aber zum Diningroom und wunderte mich weshalb der noch abgeschlossen war. Niemand zu sehen. Nach einem kleinen Umhergang bin ich dann wieder auf mein Zimmer und dachte, dass einfach irgendwas „Lost in Translation“ gewesen wäre. Aber da kam auch schon der Anruf von meinem Fahrer, der vom Bauern übersetzt hatte: Ich möge ganz dringend mich nur im Haus aufhalten und nicht nach draußen gehen, weil ein Elefant in der Gegend gesichtet wurde. Zum Glück hatte ich mir noch ein Bier aus Bangalore mitgenommen, das war dann mein Abendessen nachdem ich den Tag über nur einen Snickers hatte. Aber das mit den Elefanten ist ein ernsthaftes Problem: Es ist die Saison in der junge Elefantenbullen von der Herde verstoßen werden und sie auf der Suche nach neuen Herden herumstreifen und dabei auf Menschen stoßen. Tagsüber verstecken sie sich in den Wäldern (sofern es Elefanten können) aber nachts ziehen sie umher. Wie ernst die Inder das nehmen, konnte ich nur am verhalten meiner Gastgeber erahnen. Die Familie, die in einer Art Bauwagen wohnte, ist zur Sicherheit in eins der anderen Zimmer gezogen, die Bauern haben sich auf die Dachterrasse im obersten Geschoss verschanzt und mit ihren Maglites Ausschau gehalten. Ich saß mit meinem Bier auf dem Balkon und konnte die Abwehrmethoden der anderen Farmen beobachten: Feuerwerk, laute indische Schlagermusik oder wie meine Gastfamilie: Jemand der Harmonika übt. Ich bin dann irgendwann hungrig ins Bett gegangen. Um Mitternacht wurde es dann plötzlich sehr laut und auf der Dachterrasse fingen die Bauern an laut zu schreien. Da hatte es der Elefant wirklich noch einmal versucht auf gleichem Wege auf die Farm zu kommen. Gesehen habe ich ihn nicht, aber durchaus gehört. Aber er hat sich dann wohl getrollt und kam nicht wieder aufs Gelände.

Am nächsten morgen gab es dann ein Frühstück von einem sehr unausgeschlafenem, aber freundlichen Bauern, bevor wir die Rückreise nach Bangalore antraten, um den Sonntag-Abend-Verkehr zu umgehen. Ich nutzte den späten Nachmittag noch für einen langen Spaziergang im sehr gut gefülltem Cubbon-Park.




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