24/07/26 Coorg & Western Ghats

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Durch diverse Empfehlungen von Kollegen habe ich mich doch noch entschlossen nach Coorg zu fahren. Coorg bezeichnet ein Gebiet in den Western Ghats, einem Gebirgszug entlang der indischen Westküste. Ursprünglich hatten mich die 5 – 6h Fahrt dahin abgeschreckt.

Also hatte ich einen Überlandfahrer für die Tour gebucht, der holte mich auch pünktlich in Bengalore ab und trotz Sprachbarriere ging es voran. Durch den dicken Feierabendverkehr ging es erst über die Schnellstraße Richtung Mysore, danach auf deutlich weniger gut ausgebauten Straßen in Richtung Marikeri. Nach ziemlich viel Gegurke durch die Nacht kamen wir in Coorg an: Die Straßen waren nun kurvenreicher und steiler. Als Unterkunft hatte ich mir eine kleine Hütte außerhalb der Stadt in einer Kaffeeplantage ausgesucht. Und das war es auch: Eine rudimentäre Hütte, die alles bot was man für den Schlaf braucht: Ein Paar Bretter als Bett, ein paar Bretter als Nasszelle, ein paar Bretter als Dach & Wand und eine Plane drüber, die alles trocken hält. Im nächtlichen Wald dröhnten die Zikaden, Frösche und Geckos um die Wette während ich drinnen noch ein paar Geckos aus den Gardinen und dem Bett schüttelte.

Hütte von Innen

Am nächsten Morgen war ich kurz vorm Sonnenaufgang wach. Es gab wirklich ein sehr kurzes Zeitfenster der Dämmerung (nicht mehr als 20min), aber dieses Zeitfenster war ausreichend für ein paar andere Zikaden zu zirpen und für den Malaienkauz zu rufen. Ich nutzte die Zeit um mich vom Bett-Brett in Richtung der Dusch-Bretter zu bewegen und den restlichen Sonnenaufgang draußen zu sein. Die Unterkunft bot auch zwei Glashäuser an in denen man hätte schlafen können. Da diese aber unbewohnt waren habe ich mich auf die Terrasse gesetzt.

Sonnenaufgang in den Ghats
Die Hütte von Außen
Blick aus der Hütte

Der Betreiber der Farm und Anlage kam und brachte mir einen Kaffee, der laut seiner Aussage von der eigenen Farm stammte. Und leider so pappensüß war, dass man ihn mit einem Holzstiel wahrscheinlich auch als Lolli hätte essen können. Aber die Kaffeepflanzen standen hier überall. Es gab dann Frühstück, eine sehr scharfe Nudelsuppe, Toast und eigene Papaya. Was ich nicht wusste: Hier gab es Blutegel. Einer war mir das Bein hochgekrochen und ich hatte es nicht bemerkt. Der Reiseführer rät dazu Egel mit etwas sehr Saurem, wie zum Beispiel Zitrone, starkem Alkohol oder Salz zu beträufeln, dann würden sie abfallen. Klingt also wie eine gute Gesellschaft zum Tequilla-Trinken. Da ich das aber wirklich nicht wollte wurde die Hose ab dem Zeitpunkt in den Socken getragen.

Kaffeekirschen
Assel
Lärmfrosch
versteckte Libelle

Da wir alles recht früh wach waren war der erste Programmpunkt eine Kaffee- und Gewürzplantage mitsamt Führung. Es gab hier Robusta und Arrabica Pflanzen und auch eine eigene für Coorg gezüchtete Form. Grapefruit-, Avocado- („Butterfruit“), Mango-, Teak-, Cacao-, Jackfruit-, Limetten- und Zimtbäume wuchsen hier an verschiedenen Stellen. Die Kaffeepflanzen werden bewusst flach gehalten, damit sie besser zu ernten sind. Büsche von Kardamom- und Lorbeerpflanzen und Ranken von Pfeffer-Pflanzen.  Grüner, schwarzer und weißer Pfeffer sind übrigens ein und dieselbe Samenkapsel der Pflanze, die unterschiedlichen Reifeprozesse ergeben den Unterschied. Was es auf der Farm auch gab, ist die nachtaktive Zibetkatze, die nachts auf die Kaffeepflanzen klettert und ausgesuchte reife Kaffeekirschen isst. Am nächsten morgen machen sich die Arbeiter dann auf den Weg und sammeln das ein, was die Katzen zurücklassen, um den bekannten Kopi Luwak Kaffee herzustellen. In der Plantage werden auch zwei Arten von Honig hergestellt, einmal der Honig, der durch die Kaffeeblüte von Zuchtbienen hergestellt wird und dann ein Honig, der von stachellosen Wildbienen gewonnen wird. Die Tour durch die Plantage endete mit einer Probe des eigenen Kaffees: Mit diversen Gewürzen und gerösteter Wurzel der Wegwarte (Chicorée) und natürlich einer ordentlichen Portion Rohrohrzucker. Der nächste Programmpunkt der Plantagenführung war ein kleiner Halt in der Kaffeeröstanlage und eine Weinprobe. Denn alles, was hier geerntet wird, wird auch irgendwie zu einem Wein gekeltert. Die paar Sachen, die ich probiert hatte, waren ziemlich süße Fruchtweine, außer der „Bulls Eye Chilli“.

Wildbienen wohnen darin
Bienenstock zur Kaffeeblüte aufgestellt
Weinprobe
Sternfrucht-Baum
Pfeffer
Jackfruit
Ein Blick in die Plantage
Kardamomblüte mit den kleinen Kapseln
Cacao
Tiefe Bewölkung über den Reisfeldern
Passionsfruchtblüten
Schmetterling 2

Im Anschluss wollte ich ins Stadtmuseum von Medikeri, denn mir hatte die Google-KI versprochen dort ein schönes Exponat vom Korundhaltigen Granit zu sehen. Auf Grund eines Missverständnisses hatte mich mein Fahrer aber zu einem anderen Museum gebracht, welches soweit wie ich es verstanden hatte das Geburtshaus eines herausragenden indischen Generals war. Die Ausstellung handelte auch hauptsächlich von irgendwelchem Militariagedöns und so. Das Stadtmuseum lag auf einer Anhöhe die vom Madikeri-Fort umgeben war. Das Museum selbst war in einer kleinen umgewidmenten Kirche untergebracht, hatte aber nur ein paar nicht näher erklärte Exponate unter anderem einen ausgestopften Leoparden. Auf dem Aussengelände gab es eine Sammlung von Hero- und Sati-Steinen. Die Herosteinen wurden zu Ehren besonderer Krieger hergestellt und die Sati-Steine zu Ehren an Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes einen rituellen Freitod wählten. Aber in einem hatte die KI mich irregeführt: Kein Korund! Während des Besuches wehte der erste Regen die Berge hoch und ich suchte ein Café in der Stadt auf.

Ein Stiefel-Denkmal
Sati-Steine
Lifeplant
Prinzessinnenblume

Nachdem ich meine geplanten Programmpunkte erledigt hatte, ließ ich mich ein bisschen treiben. Der Park „Raja Seat“ bot eine großartige Aussicht über die Plantagen und Reisfelder. Eine weitere Empfehlung war noch eine Jeepsafari auf den Mandalpatti-Peak. Mein Fahrer hatte mich zum Ausgangspunkt gebracht und wusste nicht so recht was mich erwartete. Ich wurde dann mit einem Sikh-Pärchen aus Kalkutta zusammen auf einen alten Mahindra verladen der von einem eher mürrischen Fahrer über die Straße zum Berg gefahren wurde. Am Gipfelparkplatz angekommen waren es nur noch ein paar Meter über rotes Gestein zum Gipfel. Da der Gipfel aber komplett in den Wolken hing war die Aussicht auch eher mäßig. Als diese Wolken dann auch noch anfingen zu regnen wurde mir auch klar, weshalb die Gegend von Coorg auch als „Das Schottland Indiens“ bezeichnet wird, man hätte im Stehen ertrinken können! Komplett durchnässt ging es wieder zurück zu unserem Jeepfahrer. Auf der Rückfahrt durfte ich auf der Rückbank Platz nehmen. Und wir wurden durchgeschüttelt wie ein paar Würfel im Würfelbecher.

Gut, dass die Sonnenbrille dabei war!
Mahindras
Blick vom Raja’s Seat in die Ghats

Von da aus ging es nur noch in die Unterkunft, ein paar trockene Sachen anziehen und noch einmal kurz zum Abendessen.

Am Sonntag hatte ich mit einem Trekking-Guide eine sehr frühe Tour ausgemacht. Wir trafen uns mit vier anderen Teilnehmern nur wenige Meter neben meiner Unterkunft und gingen auf den Kallu Betta wandern. Leider hatte sich das Wetter nicht wirklich verbessert und so stapften wir durch den Nebel – was das ganze aber irgendwie stimmungsvoller machte. Oben auf dem Bergkamm hatte ich dann noch einmal richtig Glück, denn eine Drosera peltata wuchs ziemlich direkt neben dem Weg. Es war insgesamt eher eine nebelige Angelegenheit. Aber auch ohne große Aussichten hat sich die Tour gelohnt. Auf dem Rückweg kamen wir auch an Elefantenspuren vorbei – kleine Schneisen im Wald mit abgeknickten Pflanzen und kreisrunden Fußstapfen.

Nebel der Western Ghats
Eine wilde Orchidee
Eine Muskatnuss
Wanderung ohne Fernsicht
Impatiens acaulis
Drosera peltata
Drosera peltata
Drosera peltata
Yellow Orange Tip Weißling
Die Ur-Melone
Schmetterling

Zweiter Ausflug mit dem gleichen Guide sollte einen Wasserfall zum Ziel haben. Die Wanderung war deutlich kürzer, führte entlang des Bewässerungssystems einer Kaffeeplantage zu einem netten Wasserfall.

Echte Vanille
Eine Raupe des Zimt-Bärenspinners
Der Weg entlang der Bewässerungskanäle
Eine Kitschaufnahme des Wasserfalls

Danach galt es dann nur noch wieder zurück nach Bangalore zu kommen.

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