Dieses Wochenende stand ein Ausflug nach Kochi an. Kochi ist eine circa 400km entfernte Hafenstadt am arabischen Meer. Die Flugtickets waren schon recht früh gebucht und der Plan war es am Freitag nach der Arbeit zum Flughafen zu fahren und Sonntagabend zurück in Bangalore zu sein.
Mein Flug wurde zweimal vorverlegt, das letzte Mal am Freitagmorgen, sodass ich um kurz nach zwölf ziemlich ad hoc im Büro die Tastatur fallen lassen musste und ins Taxi stieg. Zum Glück hatte der Taxifahrer ausreichend Zeit rausgefahren, so dass ich auch noch Zeit für die Paramilitärs der Central Industrial Security Force hatte, die den Umstand bemängelten, dass mein Vorname mit Ö im Pass steht, mit OE im Visum und beim Boardingpass komplett weggelassen wurde. Aber auch das war dann von einem Herrn mit noch mehr Lametta auf den Schultern noch einmal durchgelassen worden. Kurzum: Ich habe meine Maschine noch rechtzeitig erreicht. Der Flug war dann auch nur ein recht kurzer, so war ich schon sehr früh in Kochi gelandet.
Die Fahrt zum Hotel war über Uber gebucht und beinhaltete ein ganz schön langes Gegurke über diversen Brücken, um bis ins Fort Kochi zu gelangen. Mein Fahrer, der im Übrigen seinen Abschluss als „Fire & Safety Engineer“ macht, hatte aber eine bessere Idee. Er würde einfach ein bisschen abkürzen und eine Fähre nehmen. Die dadurch gesparte Zeit rechtfertige das Fährticket. Bei gleichbleibendem Preis versteht sich… Mir sollte es recht sein.

Bei der Fähre war so der erste Moment, wo mein Sicherheitsgefühl deutlich überstrapaziert wurde. Es war die Fährverbindung von der Insel Vypin nach Fort Kochi. Die Fähre war von der Bauart ähnlich den Autofähren, die über den NOK fahren, nur stellenweise vielleicht nicht ganz so hübsch lackiert… Die Sortierung der Fahrzeuge war aber so: Es wurden die Auto einfach rauffahren gelassen und die Räume, die noch frei waren, konnten dann die Mofafahrer und Fußgänger auffüllen. So saß ich mit meiner Beifahrertür auf Tuchfühlung mit einem Lastwagen im Auto auf der Fähre… Dass diese Fähre während der Überfahrt aber auch noch in den Wellengang des offenen arabischen Meeres kam hatte ich nicht erwartet… Kurzum: Wir kamen nach kurzer Fahrt an und es ging nach dem Einchecken im Hotel ging es auf Erkundungstour.

Die Landschaft rund um das Fort wurde im Jahr 1341 durch eine Flut geformt. Die Landschaft besteht bis heute aus dem Sand der Küste und den Sedimenten, die der Periyar-River aus den Westghats mit sich trägt. Die ursprüngliche Flussmündung war Platz der antiken Handelsmetropole Muziris über die schwarzer Pfeffer, Edelsteine und Seide bis ins antike Rom gelangten. Eine Flut im Jahre 1341 brachte derart viele Sedimente den Periyar herunter, dass die Stadt zerstört und das Delta versiegelt wurde… Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch die parallel zur Küste liegenden Sandbänke und brach erst circa 40km weiter südlich ins arabische Meer durch: Dem Ort an dem das spätere Kochi gegründet wurde. Da die Ebene allerdings generell eher flach waren und der Tidenhub durch diesen neu entstandenen Durchbruch hindurch floss bildete sich im Hinterland ein Labyrinth aus Inseln und kleinen Wasserwegen. Im Hinterland wurde die Stadt Eurakalam gegründet während die Portugiesen im Jahre 1503 auf dem vorgelagerten Kochi ein Fort errichteten. Die damaligen indischen Herrscher erhofften sich dadurch einen Vorteil in ihrem Konflikt mit anderen Königreichen im Norden. 1663 kamen dann die Holländer, eroberten das portugisische Fort, brachen es teilweise ab und bauten es für ihre Bedürfnisse um. 1795 kamen dann als letzte europäische Macht die Briten., übernahmen das Fort, und brachen es 1806 weitestgehend ab um eine Wiedereroberung zu verhindern. So die sparsam zusammengefasste Geschichte des Fort Kochi.

Den europäischen Hintergrund bemerkt man auch heute noch durch die engen Gassen, typischen Häuser und Kirchen. Die Promenade war gesäumt von kleinen Verkaufsbuden und das Meer war ganzschön aufgepeitscht. Zum Baden lud es trotz der Sandstände nicht wirklich ein, denn der viele Müll, der hier angespült wird, lag auf dem Strand oder trieb im Wasser. Einen sehr kräftigen Monsunschauer konnte ich noch in einem Hotel mit einem Getränk überbrücken, den zweiten bekam ich beim Schlendern durch die riesigen mit Farnen behangenen Bäume ab.

Also erstmal ins Hotel, Klamotten, soweit es ging zum Trocknen aufhängen und zum Essen noch einmal los. Auf dem Weg buchte ich spontan eine Tour in die Backwaters, da ich mich im Vorfeld nicht für einen der Anbieter entscheiden konnte.



Am nächsten morgen ging es noch ein zweites mal an die Küste, die traditionellen Chinesischen Netze der Fischer hingen zum Trocknen, die Kräne des Containerhafens lagen im Nebel und das einsetzende Niedrigwasser trieb Inseln von Wasserhyazinthen aufs offene Meer. Nach einem kurzen Frühstück wartete ich am vereinbarten Treffpunkt auf den Fahrer, der mich zur Backwatertour bringen sollte. Dieser sucht aber noch zwei andere Teilnehmer, die noch am Frühstücks-Buffett saßen… Danach ging es los, ziemlich weit ins Hinterland der Stadt. Am Muvattuzupuzha-River lag eine Art Tourenanbieter. Eine einfache Hütte, traditionell mit Matten aus gewobenen Palmenblättern bedeckt und ein paar Bootsanlegestellen. Angekommen wurden wir auf ein relativ großes Boot gesetzt und unser Guide gab ab und zu mal sein Wissen preis, ansonsten ließen wir uns von zwei Flößern mit langen Bambusstöcken durch das Wirrwarr der Flussarme zu einem Dorf lenken. Laut Prospekt sollte ein Dorf besucht werden, dass nur über den Fluss erreicht werden könne… Über die Bushaltestelle am Dorfrand musste man nur großzügig genug hinwegsehen. Aber die Tour hat sehr viel Spaß gebracht. Brahmanen-Milane, diversen Reiher und Schmetterlinge begleiteten uns. Auch auf und neben dem Wasser blühten Wasserhyazinthen, indische Sonnenkannen mit ihren ausgefransten Blühten und Seerosen.





Nachdem wir am Ausgangspunkt zurück gekommen waren ging es zum Traditionellen Essen vom Bananenblatt. Eine Portion des hiesigen Reis (deutlich runder und dicker als zB Basmati) geb es mit einem Dal, dazu diversen verschiedenen Pickles und eingelegten Dingen. Tatsächlich hat es sehr sehr gut geschmeckt!

In der zweiten Bootsrunde sollte es mit einem kleineren Boot durch schmalere Kanäle gehen. Soweit so gut, nur war das zweite Boot nicht überdacht. Und schon direkt beim Abfahren kam der Monsunregen, den man zuerst nur gehört hat, dann sah und dann prasselte er schon auf das Boot herunter. Es hat nicht lange gedauert und ich war wieder komplett durchweicht. Es ging auch schon bald wieder zurück in Richtung Hütte.


Dort gab es einen heißen Chai und eine Vorführung des Mattenflechtens und des Kokosfasernspinnens. Um kurz nach 16:00 wurden wir wieder in Richtung Hotel gebracht und ich schlüpfte wieder gegen trockene Kleidung. Mit dem noch jungen Abend entschloss ich mich noch einmal auf Erkundungstour in Kochi zu gehen. Einen zweiten Monsunschauer dachte ich perfekt mit einem Getränk in einem Restaurant mit Blick auf die Meerenge genießen zu können. Weil aber der jeweils erste Tag im Monat per Gesetzt ein sogenannter „Dry Day“ ist, der den Ausschank und Verkauf von Alkohol verbietet um zu verhindern, dass gleich am ersten Tag das frische Gehalt gegen Getränke eingetauscht wird…. Gab es für mich ein Lime Soda, auch gut!


Da ich nach dem Schauer deutlich weiter durch die Stadt gekommen war als gedacht erledigte ich den ersten Teil des Geocaching-Programms schon am Vorabend: Ein Besuch der hiesigen Synagoge von 1568. Leider war diese für die Zeit meines Besuches geschlossen, sodass ich Sie nur von außen besichtigen konnte (neben all den Instagram-Pärchen samt Fotografen). Abendessen gab es in einem nahegelegenen jüdischen Restaurant.


Am Sonntag morgen stand nach dem Frühstück der zweite Teil des Geocachingplans an. Dazu wollte ich zur Fährstation der „Kochi Water Metro“ spazieren, einem der modernsten Fährsystems der Welt. Dazu ging es bei leichter Bewölkung durch das eher muslimisch geprägtes Viertel Pullupalam. Hier wurde sogar frisches Rindfleisch verkauft. Ein sehr kurzer Regenschauer wirkte wie der erste Aufguss bei einer Sauna: Die Luft wurde sehr stickig und feucht. Nassgeregnet und verschwitzt erreichte ich das Fährterminal.




Die Fähren fahren einigermaßen pünktlich und voll elektrisch. Auf der Insel Willigdon ging es als einziger von der Fähre. Die Insel ist eigentlich eine reine Industriestätte, die auf einem Sonntag sehr verlassen wirkte. Breite Straßen, Lagerhallen, teilweiser Leerstand. Also wirklich wie im Hamburger Hafen. Der Geocache war an einer Seefahrer-Kirche gelegen. Es gab ein netten Schnack mit dem Pastor, der den Gottesdienst vorbereitete und mich vor möglichen Überflutungen am Nachmittag warnte. Auf dem Weg zurück zur Fähre kam ich bei der Cochin Port Firebrigade vorbei. Die Kameraden waren sehr aufgeschlossen und freuten sich ihr Equipment vorzustellen. Das war eine sehr nette Begegnung!

Eigentlich hatte ich vor mit der Fähre weiter in Richtung Eurakulam zu fahren… Leider hatte man mich aufs falsche Boot gesetzt und es ging erst einmal zurück nach Fort Kochi um dann mit der nächsten deutlich volleren Fähre nach Erakulam aufzubrechen.
Dort angekommen war mein nächstes Ziel eigentlich nur noch ein Mangrovenwald der in der Innenstadt als Vogelschutzgebiet ausgewiesen war. Auf dem Weg musste ich einen Menschenmenge passieren: Es wurde Staatsexamen am Landesgericht gefeiert. Der Mangrovenwald war ein eher klein und nicht wirklich ergiebig.




Nach einer Tour durch einen Bazaar, der größtenteils schon geschlossen war ging es für mich zurück zum Flughafen, wieder mit der gleichen Diskussion ums Ö, aber einem stressfreien Rückflug.
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